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115 Jahre VfB Einheit zu Pankow, ein Rückblick


Das Jahr 2008 ist bereits das 115. in der Geschichte des Pankower Traditionsclubs.

Damit ist man nicht nur 7 Jahre älter als der FC Bayern, sondern kann auch auf viele spannende, zum Teil gar brisante Ereignisse zurückblicken.


Freitag, der 18.September 1893
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Auf Anregung eines gewissen Dr. Hermani, seines Zeichens Theologe und Leiter der „Pankower Höheren Knabenschule“, wird in geselliger Runde in einem Pankower Gasthaus der ‚Verein für Bewegungsspiele Pankow’ ins Leben gerufen.

26 Mitglieder zählt der Verein bei seiner Gründung, die sich auf dem grünen Rasen von Schloss Schönhausen anfänglich nur mit Cricket und Tennis die Zeit vertreiben.

Erst die aus England stammenden Gebrüder Manning bringen ein paar Jahre später den ‚Football’ mit nach Pankow. Der löst Cricket bald als Sommersport ab und läutet damit gleichzeitig eine neue Epoche in der noch jungen Geschichte des VfB ein.

Doch auch andere Sportarten wie Turnen, Fechten und insbesondere das Radfahren erfreuen sich in den Jahren um die Jahrhundertwende einer immer größer werdenden Anhängerschaft und tragen dadurch in ebensolchem Maße zur rasanten Entwicklung des Pankower Vorzeigevereins bei.

Der sich auch auf sportpolitischer Ebene vollzieht. So gehört der VfB zu den ersten Berliner Vereinen, der mit der Einführung von Altersbegrenzungen für Jugendmannschaften eine heute für selbstverständlich gehaltene Regelung in seine Statuten aufnimmt und sich damit an der Spitze der Berliner Sportbewegung setzt.


Die Dinge nehmen ihren Lauf: nach dem Eintritt in den Verband Deutscher Ballspielvereine (dem heutigen DFB), mit dem die Eingliederung des VfB samt aller seiner Sportgruppen in ein festes Gefüge einhergeht, kann der Verein bald auch für die verschärfte Sportplatzsituation Abhilfe schaffen.


1910 wird der Sportplatz an der Mendelstraße eingeweiht, dem 10 Jahre später noch ein zweiter an gleicher Stelle folgt.

Etwa zu diesem Zeitpunkt beginnt auch das ‚Spiel mit dem runden Leder’ seinen steigenden Stellenwert anzudeuten.
Die Fußballabteilung avanciert mehr und mehr zum Aushängeschild des Vereins, begünstigt vor allem durch die hohe Qualität der 1.Herrenmannschaft.

Willi Worpitzky


Dieser haben sich seit Anfang der 20er Jahre einige zum Teil hochkarätige Spieler angeschlossen, unter anderem auch die drei für den DFB international Aktiven Worpitzky, Knesebeck und Schwedler, was zu einer erheblichen Steigerung der Spielstärke führt.

Willy Schwedler


Unter der Führung des Trainers Pöttinger, ebenfalls ehemaliger Nationalspieler von 1860 München, spielt der VfB eine bedeutende Rolle in der Oberliga und kann auch bei Gastspielen durchaus überzeugen, wovon besonders das phänomenale 7:1 gegen den Danziger SC Zeugnis ist.

So scheint es wenig verwunderlich, dass der VfB zum 40.Vereinsjubiläum im Jahre 1933 nicht nur die Einweihung des neu hergerichteten Platzes in Schönholz zu feiern hat.

Höhepunkt der Festlichkeiten stellt neben einem pompösen Festball im Schloss Schönhausen das hochkarätig besetzte Jubiläumsturnier mit Fortuna Düsseldorf, 1860 München und Hertha BSC dar.

Vor 30.000 Zuschauern auf dem ehemaligen Herthaplatz am Gesundbrunnen schlägt man sich beachtlich, vornehmlich das 2:2 gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Düsseldorf findet allseitige Beachtung.


Den rosigen Zukunftsperspektiven des VfB Pankow 1893 e.V. wird bereits mit dem Beginn des 2.Weltkrieges zum Ende der 30er Jahre ein jähes Ende gesetzt.

Nachdem das 50-jährige Vereinsjubiläum genau zum 25.Ehrentag in den Wirren des Krieges untergegangen ist, lassen die immer lichter werdenden Reihen spätestens ab Anfang 45´ überhaupt keine Spiele mehr zu.

Nach der deutschen Kapitulation erlauben die Alliierten Sport im Allgemeinen nur auf kommunaler Ebene, alte Vereinsnamen werden verboten. Dank einer sauberen sportlichen Betätigung in der Vergangenheit wird dem VfB als erstem Verein in Berlin die Erlaubnis erteilt, seinen alten Namen wieder anzunehmen. Der Startschuss in eine neue spannende Zeitrechnung, die jedoch schon bald ihr wahres Gesicht zeigen wird.


Während einige Mitglieder bereits nach der durch die Währungsreform geschaffenen Teilung Berlins im Jahre 1948 den Verein verlassen hatten, wurde auf einer eilig einberufenen Generalversammlung am 10.Mai 1951 bekannt gegeben, dass sich der VfB Pankow 1893 e.V. auf Druck der Sowjets in „Einheit Pankow“ umzubenennen habe.

Daraufhin sprengt sich ein Kreis alter VfBer um den Bäckermeister Knobelsdorf ab und wird unter dem neuen Namen VfB zu Pankow 1893 e.V. vom Westberliner VBB als Mitglied aufgenommen. Heimplatz ist der „Reinickendorfer Städtische Sportplatz“ an der Scharnweberstraße in Tegel.

Der Verein ist für die 40 Jahre geteilt in Ost und West, die Politik hat dem Sport den Rang abgelaufen.



Würde nun ein objektiver Betrachter für den langen Zeitraum der Trennung ein Duell gemessen am Erfolg der beiden Fußballsektionen simulieren, selbst ohne eine differenzierte Betrachtungsweise käme er schnell zu einem klaren Ergebnis: Sieg für den Osten.

Zwar muss die SG Einheit, die sich später nach der Abspaltung zur eigenständigen Fußballabteilung nur noch Einheit Pankow nennt, kurz nach Erreichen des größten Erfolgs im Jahre 1952 mit dem Einzug in das FDGB-Pokalfinale (Niederlage gegen die SG Volkspolizei Dresden) den Abstieg aus der höchsten DDR-Liga hinnehmen.

Nichtsdestotrotz hält man sich schließlich all die Jahre mindestens in der Landesklasse, schafft in der wohl besten sportlichen Phase des Vereins von 1970-76 den Sprung in die DDR-Liga.

Der dreimalige Auf- und Wiederabstieg sind wohl die Ursache, dass die Mannschaft von damals noch heute den Begriff von der „Fahrstuhlmannschaft“ prägt.


Im Gegensatz zu diesen recht staatlichen Erfolgen kann der VfB zu Pankow im westlichen Teil der Stadt lediglich einmalig den Aufstieg in die A-Klasse bejubeln, dem jedoch bereits in der Saison 75/76 nach zwei minder erfolgreichen Spielzeiten der sofortige Abstieg folgt.

Obwohl man bis zur Fusion mit seiner besseren Hälfte in den Niederungen der Berliner Stadtligen herumdümpelt, ist auch hier die aufopferungsvolle und ehrenamtliche Arbeit, mit der der am 14. Mai 1991 wieder zusammengeführte Verein über diese schwierige Zeit am Leben gehalten wurde, anzuerkennen.

Zum 100.Jubiläum wurde dem VfB Einheit zu Pankow 1893 e.V. die „Sportplakette des deutschen Bundespräsidenten“ verliehen.

 
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